Queer im Beruf: Interview mit Danina Schwarm und Daniel Vollhase

Berlin, 30.07.2019. „Ich wünsche mir mehr Sichtbarkeit von queeren Menschen im Berufsleben“ - Danina Schwarm und Daniel Vollhase, Führungskräfte in der AENEAS Group, im Interview anlässlich des Gay Pride Month.

Danina und Daniel, wo würdet ihr euch auf dem LGBTQ-Spektrum verorten?

Daniel: Ich bin definitiv schwul (lacht). Im sozialen Kontext verstehe ich mich eher als queer in dem Sinne, dass ich ein stereotyp männliches Rollenmuster nicht bedienen kann und will.

Danina: Ich verstehe mich als bisexuelle Frau. Allerdings lebe ich seit langer Zeit mit einer Frau zusammen, daher sehen mich viele mittlerweile eher als lesbisch. Ist mir aber eigentlich auch ziemlich egal. Hauptsache, die Leute respektieren, wer und wie ich bin.

Gerade geht der Pride Month zu Ende, am letzten Samstag war CSD in Berlin. Habt ihr eine persönliche Verbindung zur Gay-Pride-Bewegung?

Daniel: Ich gehe jedes Jahr auf den CSD, weil ich die Stimmung genieße: Jeder darf an dem Tag herumlaufen, wie er will und das ist im normalen Alltag und im Job nicht immer möglich. Einige klagen über fehlende politische Botschaften zum CSD und sehen nur noch eine große Outdoor-Party. Aber wenn diese Outdoor-Party bedeutet, dass erstens die Menschen sichtbar auf die Straße gehen und sich zweitens Menschen jeder Orientierung am Straßenrand mit der Sache solidarisieren, dann finde ich das im Rahmen einer Party auch mehr als okay.

Danina: Ich kenne den CSD ja schon seit meiner Jugend und bin auch immer mal wieder dabei. Mir ist die politische Botschaft wichtig: Überall auf der Welt gehen Leute auf die Straße und setzen ein Zeichen gegen Homophobie. Gerade erst wurde eine Gay-Pride-Parade im polnischen Białystok von Hooligans attackiert – das zeigt einmal mehr, wie bitter nötig es ist, Farbe zu bekennen.

Ihr steht beide offen zu eurer sexuellen Identität, auch im beruflichen Kontext. Habt ihr mit dieser Offenheit schon mal negative Erfahrungen gemacht?

Danina: Da bin ich leider eine denkbar langweilige Interviewpartnerin. Ich bin in Berlin aufgewachsen und habe, ehrlich gesagt, überhaupt noch keine Diskriminierungserfahrungen aufgrund meiner sexuellen Identität gemacht, weder im Job noch privat. Maximal habe ich von meinen Partnerinnen mal mitbekommen, dass es in anderen Regionen Deutschlands weniger rosig aussieht. Allerdings habe ich mich als Frau im Job schon öfter benachteiligt gefühlt, aber das steht noch mal auf einem anderen Blatt.

Daniel: Ich komme vom Dorf und habe später in Dortmund gelebt. Da wurde ich teilweise schon offen angefeindet, zum Beispiel betrunkene Fußballfans konnten sehr unangenehm werden. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es sich eigentlich immer nur positiv ausgewirkt hat, wenn ich mich zum Schwulsein bekannt habe. Im Beruf hatte ich damit auch nie ein Problem, allerdings war ich da auch schon in Großstädten, darunter Düsseldorf, Köln und Berlin. Das ist sicher ein entscheidender Faktor.

Was würdet ihr queeren Jobeinsteigerinnen und Jobeinsteigern empfehlen?

Danina: Ich kann nur dazu raten, in einem Unternehmen anzufangen, das deine sexuelle Identität akzeptiert. Ein gutes Miteinander im Team ist enorm wichtig, entsprechend kann es sich nur negativ auswirken, wenn man einen zentralen Aspekt des eigenen Lebens verstecken muss. Ich würde daher beispielsweise durchaus schon mal im Vorstellungsgespräch erwähnen, dass ich einen gleichgeschlechtlichen Partner bzw. eine gleichgeschlechtliche Partnerin habe, wenn es sich ergibt. Natürlich spreche ich hier aus einer privilegierten Berliner Perspektive heraus – nicht jeder hat die Wahl zwischen unzähligen Arbeitgebern und kann es sich erlauben, einen konservativen Arbeitgeber zu verschrecken. Aber wenn es irgendwie geht, rate ich zur Offenheit. Nicht selten sind die Reaktionen auch deutlich positiver, als man erwarten würde.

Daniel: Das sehe ich ganz ähnlich! Ich komme ja aus einem ländlichen Umfeld und habe mein Schwulsein jahrelang geheim gehalten, wurde aber von vielen Mitschülerinnen und Mitschülern dennoch nicht akzeptiert. Als ich mich dann outete, war die Reaktion das Gegenteil von dem, was ich erwartet hatte: Viele Bekannte zeigten plötzlich viel mehr Respekt als zuvor – vermutlich, weil ich zu mir gestanden und damit Mut gezeigt habe.

Was würdet ihr euch von Unternehmerseite wünschen, damit Queersein im beruflichen Kontext noch mehr Akzeptanz erfährt?

Danina: Ich wünsche mir klare Stellungnahmen! Einige große Unternehmen haben dieses Jahr zum CSD Regenbogenflaggen gehisst, das fand ich ein gutes Signal. Aber es reicht ja auch ein simpler Hinweis auf der Unternehmenshomepage, dass Diversität gewünscht ist. Das nimmt queeren Bewerberinnen und Bewerbern die Angst, abgelehnt zu werden – und hilft nicht zuletzt den Unternehmen, die Besten für einen Job zu finden (und nicht nur die besten Heterokandidatinnen und -kandidaten). Bei AENEAS arbeiten wir gerade daran, das Thema Diversität noch stärker nach außen zu tragen.

Daniel: Ich finde, ganz wichtig ist es auch, dass nicht nur queere Personen in Führungspositionen offen zu ihrer Sexualität stehen. Ich wünsche mir eigentlich generell mehr Sichtbarkeit von queeren Menschen im Berufsleben. Einige meiner Freunde outen sich im Beruf nicht, weil sie befürchten, ausgeschlossen zu werden. Allerdings sollten wir für nachfolgende Generationen so gut es geht Farbe bekennen, zu unserer Sexualität stehen und dadurch die Akzeptanz bei den Mitarbeiter*innen fördern; Role Models für andere queere Menschen im Unternehmen sein.

Über die AENEAS Group

Die AENEAS Group unterstützt zahlreiche kleine, große, nationale und internationale Unternehmen bei der Suche nach passenden Mitarbeitern. Für Jobsuchende oder Menschen in der beruflichen Neuorientierung bietet AENEAS Fach- und Führungskräften im kaufmännischen Bereich passende Traumjobs.

Daniel Vollhase ist Managing Recruiter bei der AENEAS Group.

Danina Schwarm ist Managing Partner/Geschäftsführerin bei der AENEAS Group und Mitglied im Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD).

Pressekontakt: Laura Skandy, Tel. 030 516959795, E-Mail: laura.skandy@aeneas-group.de